
Der Bodenwert gibt an, welchen Marktwert ein Grundstück hätte, wenn es unbebaut wäre. Steht auf dem Grundstück bereits ein Gebäude, spricht man vom sogenannten „reinen Bodenwert": Für Zwecke der Wertermittlung wird die vorhandene Bebauung gedanklich außer Acht gelassen.
Zur Berechnung des Bodenwerts wird in der Praxis häufig der Bodenrichtwert herangezogen – ein amtlich festgelegter Durchschnittswert pro Quadratmeter, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte auf Basis tatsächlicher Kaufpreise in einer bestimmten Lage ermittelt. Die Grundformel lautet:
Bodenwert = Bodenrichtwert (€/m²) × Grundstücksfläche (m²)
Da der Bodenrichtwert jedoch lediglich einen statistischen Orientierungswert darstellt, nehmen qualifizierte Sachverständige in der Regel individuelle Anpassungen vor. Folgende Faktoren beeinflussen den tatsächlichen Bodenwert eines Grundstücks:
Lage: Innenstadtnähe, Infrastrukturanbindung und Nachbarschaft wirken sich direkt auf den Wert aus.
Grundstücksgröße und -zuschnitt: Unregelmäßige Formen oder Hanglagen können den Wert mindern.
Bodenbeschaffenheit: Altlasten, Bodenart oder Topografie spielen eine wertbestimmende Rolle.
Bauliche Nutzbarkeit: Was der Bebauungsplan zulässt – etwa Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus oder Gewerbe – hat erheblichen Einfluss auf den Bodenwert.
Erschließungszustand: Ein vollständig erschlossenes Grundstück (Wasser, Strom, Abwasser) wird grundsätzlich höher bewertet.
Der Bodenwert ist kein statischer Wert, sondern spiegelt stets die aktuelle Marktsituation wider. Er bildet die Grundlage für alle gängigen Bewertungsverfahren: Im Sachwertverfahren wird er zum Gebäudesachwert addiert; im Ertragswertverfahren fließt er als Ausgangsgröße in die Berechnung des Liegenschaftszinses ein; im Vergleichswertverfahren dient er als Referenzmaßstab gegenüber ähnlichen Transaktionen.
Für den Immobilienmarkt in Dresden, der durch eine ausgeprägte stadtteilabhängige Preisdifferenzierung geprägt ist, kommt der präzisen Ermittlung des Bodenwerts eine besondere Bedeutung zu. In zentralen Lagen wie der Altstadt können Bodenrichtwerte deutlich höher ausfallen als in Randgebieten, während in Stadtteilen wie Klotzsche oder Leuben die Werte je nach Lage und Erschließung erheblich variieren.
Der Dresdner Gutachterausschuss für Grundstückswerte veröffentlicht die aktuellen Bodenrichtwerte regelmäßig im Zweijahresrhythmus und stellt diese im Themenstadtplan kostenfrei zur Verfügung. Angesichts der fortschreitenden Stabilisierung des Dresdner Immobilienmarkts – mit zuletzt wieder steigender Transaktionszahl – ist eine individuelle und ortskundige Bodenwertermittlung für Käufer, Verkäufer und Investoren unerlässlich, um Fehleinschätzungen zu vermeiden.
Wenn Sie eine professionelle Immobilienbewertung benötigen oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns für eine erste kostenfreie Beratung.
ÜBER DEN AUTOR

Timo Stephan
Timo Stephan ist ein Spezialist im Bereich der Immobilienbewertung. Mit seinen praxisorientierten und leicht verständlichen Artikeln unterstützt er Immobilienbesitzer dabei, sich fundiert zu informieren und wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen. In diesem Blog erhalten Sie weitere Einblicke in sein Fachwissen.
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