Wer eine Immobilie nicht selbst bewohnen, sondern vermieten oder als Kapitalanlage nutzen möchte, steht vor einer entscheidenden Frage: Was ist das Objekt tatsächlich wert? Die Antwort liefert in solchen Fällen häufig der Ertragswert – eine der zentralen Kennzahlen der professionellen Immobilienbewertung. Er bildet die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Immobilie ab und stellt damit eine sachliche Grundlage für Kauf-, Verkaufs- und Finanzierungsentscheidungen dar.
Der Ertragswert ist eine Methode zur Wertermittlung von Immobilien, bei der nicht der bauliche Zustand, sondern die nachhaltig erzielbaren Erträge im Mittelpunkt stehen. Er beantwortet die Frage: Wie viel ist eine Immobilie wert, wenn man ihren wirtschaftlichen Nutzen – also die Mieteinnahmen – als Maßstab anlegt?
Die Berechnung gliedert sich in zwei wesentliche Komponenten:
Bodenwert: Der Wert des Grundstücks wird unabhängig vom Gebäude ermittelt. Grundlage ist der Bodenrichtwert, der durch den zuständigen Gutachterausschuss festgelegt wird.
Gebäudeertragswert: Ausgangspunkt ist der Rohertrag, also die marktüblich erzielbare Jahresmiete. Von diesem werden die Bewirtschaftungskosten (Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfallwagnis, Abschreibung) abgezogen, um den Reinertrag zu ermitteln. Der auf das Gebäude entfallende Anteil wird anschließend mit dem Liegenschaftszinssatz und der verbleibenden Restnutzungsdauer in den Gebäudeertragswert kapitalisiert.
Der Ertragswert ergibt sich aus der Addition von Bodenwert und Gebäudeertragswert. Entscheidend ist dabei der Liegenschaftszinssatz: Er drückt die marktübliche Verzinsungserwartung für Immobilien einer bestimmten Art und Lage aus und beeinflusst das Ergebnis erheblich. Je niedriger der Zinssatz, desto höher fällt der Ertragswert aus.
Das Verfahren berücksichtigt damit sowohl die aktuelle Ertragslage als auch die langfristige wirtschaftliche Perspektive einer Immobilie – und ist daher besonders für Investoren und Eigentümer von Anlageimmobilien von Bedeutung.
Der Dresdner Immobilienmarkt befindet sich in einer Phase der Konsolidierung und des vorsichtigen Aufbruchs. Nach einem Preisrückgang in den Jahren 2023 und 2024 deuten aktuelle Entwicklungen auf eine erneute Belebung hin – nicht zuletzt aufgrund der Ansiedlung großer Technologieunternehmen wie TSMC, Infineon und Bosch, die künftig Fachkräfte und damit zahlungskräftige Nachfrager in die Landeshauptstadt bringen werden.
Für den Bereich der Renditeobjekte ist dies von besonderer Relevanz: Steigende Nachfrage nach Wohnraum führt in der Regel zu steigenden Mieten – und damit zu einem höheren Ertragswert bestehender Mehrfamilienhäuser und Mietwohnungen. Gleichzeitig wurden 2024 in Dresden 241 Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser erteilt, was auf ein aktives Investitionsgeschehen im Mietwohnungsbereich hinweist.
Wer in Dresden eine Anlageimmobilie kaufen, verkaufen oder beleihen möchte, sollte den Ertragswert stets von einem qualifizierten Sachverständigen ermitteln lassen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die verwendeten Liegenschaftszinssätze und Bewirtschaftungskosten dem aktuellen Dresdner Markt entsprechen und das Bewertungsergebnis gerichtsfest und bankkonform ist.
Wenn Sie eine professionelle Immobilienbewertung benötigen oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns für eine erste kostenfreie Beratung.
ÜBER DEN AUTOR

Timo Stephan
Timo Stephan ist ein Spezialist im Bereich der Immobilienbewertung. Mit seinen praxisorientierten und leicht verständlichen Artikeln unterstützt er Immobilienbesitzer dabei, sich fundiert zu informieren und wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen. In diesem Blog erhalten Sie weitere Einblicke in sein Fachwissen.
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